Second Landscape
Fine Art Pigment Print, gefaltet, je 60 x 90 cm, 2014-2019

„Der Künstler ist ein Mensch, selber Natur und ein Stück im Raume der Natur. […] Sämtliche Wege treffen sich im Auge und führen, von ihrem Treffpunkt aus in Form umgesetzt, zur Synthese von äußerem Sehen zum inneren Schauen.“ Paul Klee: Wege des Naturstudiums
In diesem Sinne hinterfragt die Künstlerin Alice von Alten in der Ausstellung SECOND LANDSCAPE im Bildraum 01 die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Natur. Sie deutet auf jene Emotionen, Erinnerungen und Projek- tionen hin, die in unsere individuelle, innere Alpenlandschaft eingeschrieben sind. Von Altens Arbeiten zeigen gleichermaßen beeindruckende Formen, erzählen von Schönheit, Erhabenheit und Wildheit, lassen aber auch das Verlangen nach Eroberung und Dominanz spüren. Die als Wanderkarten gefalteten Landschaftsfotografien zeugen von menschlichen Ansprüchen und Naturnutzungen. Die Künstlerin, selbst im südlichen Burgenland an der Grenze zu Ungarn und Slowenien aufgewachsen, widmet sich in ihrer künstler- ischen Arbeit charakteristischen Merkmalen regionaler Landschaft und Architektur. Dabei setzt sie sich vor allem mit Fragestellungen über die Selbstwahrnehmung des Menschen beim Betrachten der ihn umgebenden Natur auseinander. Das von ihr geschaffene und mittels Falzbrüchen gerasterte, oft auch als Collagen verarbeitete Bildmaterial steht für die zunächst nicht gleich merkliche und doch oft drastische zivilisatorische Überformung der Natur, lässt menschliche Verhaltensweisen reflektieren und gesellschaftliche Struk-turen hinterfragen. In einer Verschränkung von Erinnerungen und möglichen Zusammenhängen schafft von Alten natürlichen Raum für neue Ansichten — ausgelöst durch ureigene Erinnerungen, Gefühle oder durch das Auftauchen von Bildern, wie wir sie vom Lesen oder Miterleben in einem Film kennen.
Text: Mirjam Angerer-Geier zur Ausstellung im Bildraum 01, Strauchgasse 2, 1010 Wien von 07.06.-21-06.2019







Balanceakt
Öl auf C-Print, 120x 80 cm, 2019





Head
Öl auf C-Print, 120 x 80 cm, 2019





Shelter
Öl auf C-Print, 80 x 120 cm, 2019





Legs
Öl auf C-Print, 120 x 80 cm, 2019





Shadow I
Öl auf C-Print, 120 x 80 cm, 2019






Shadow II
Öl auf C-Print, 90 x 60 cm, 2019





Self I + II
C-Print, 90 x 60 cm, 2019





Window I + IV
Acryl auf Vintage Print, 2019





Die Eroberung des Montblanc re. I-VI
Acryl auf Buchseite, je 29,7 x 42 cm, 2019

In ihren medienübergreifenden Arbeiten untersucht und hinterfragt Alice von Alten die kulturelle Vermittlung von Naturbildern und -vorstellungen. Durch Dekonstruktion und Dekontextualisierung vertrauter Bilder, welche in neue Kompositionen fließen, erforscht sie Wege der Natur- und Selbstwahrnehmung. In Die Eroberung des Montblanc re. thematisiert Alice von Alten die Aneignung von Wildnis anhand von historischen Fotografien, die das Besteigen des Montblanc im 19. Jahrhundert festhielten. Die schwarz-weiß Fotografien weisen einen sehr starken Kontrast auf und haben dadurch einen fast malerischen Charakter, welcher aufgegriffen wird. Der Akt des Besteigens, der hier erstmals dokumentarisch festgehalten wurde, wird neu akzentuiert. Die Bilder sind einem Buch entnommen und mit Acrylfarbe übermalt. Berge sind oftmals Sujet in Alice von Altens Arbeiten, nicht zuletzt weil sie unser kontroverses Verhältnis zu Natur und Landschaft widerspiegeln. Zum einen erfreuen wir uns an den Aussichten und lieblichen Anblicken, haben Respekt vor der Erhabenheit der Gipfel und den lauernden Gefahren, zum anderen wecken Bergen den menschlichen Drang sie zu dominieren. Wandern, Bergsteigen, Klettern, Wintersport, etc. sind Wege sich zu messen und seine körperlichen Grenzen auszuloten. Das zielstrebige bergauf Wandern, das auf den Fotografien abgebildet ist, war mit dem immensen Aufwand des Transports der schweren analogen Kameraausrüstung
verbunden. Heute ist dies jedem mit seinem Smartphone „aus der Tasche heraus“ möglich. Im Gegensatz zur technischen Entwicklung bekommen die Fotografien durch das Auftragen der Farbe eine weitere analoge und auch abstrakte Ebene, welche auf das kontroverse Verhältnis Mensch - Natur anspielt. Der Umgang mit der Natur, die Folgen des Klimawandels und das damit verbundene Schmelzen der Gletscher sind Themen, die bei der Betrachtung der Bilder, welche verfremdet wurden, hervorgerufen werden. Idealisierte Landschaft und romantisiertes Grün treten vor allem in einer Zeit, die von einer Pandemie geprägt ist, häufig in den Köpfen auf. Diese fiktiven Orte sind verbunden mit Vorstellungen von Rückhalt und Geborgenheit, es zieht vermehrt Leute aufs Land und Outdoor-Freizeitaktivitäten boomen. Naturwahrnehmung ist immer verbunden mit Selbstwahrnehmung. Wo positionieren wir uns? In welchem Verhältnis stehen wir zur Umwelt und inwiefern sind wir natürlich selbst verantwortlich für die Rückschl.ge der Natur?





Tower
Collage aus Vintage Prints, 200 x 80 cm, 2018





Gipfelvermessung
Collage (Tinte auf vintage Print), 2019